Generation Narzisst*in
Dieser Blogpost ist anders und vielleicht ein bisschen „off topic“, aber irgendwie auch nicht. Es geht um Achtsamkeit mit sich und seinen Mitmenschen.
Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass ich psychische Erkrankungen sehr ernst nehme. Ich habe mich vorab in das Thema eingelesen und ausgetauscht. Meine Erfahrung möchte ich teilen um aufzuklären und zu sensibilisieren.
Narzissmus mag für manch einen eine Modediagnose sein, bis man es selbst erlebt.
Die pathologische Persönlichkeitsstörung, und ich unterscheide hier ganz klar von einzelnen narz. Verhaltensweisen, hat viele Gesichter. Da geht es nicht nur um Eigenheiten wie Egoismus, Selbstverliebtheit und sichtbare Grandosität. Es handelt sich um schleichende Verhaltensänderungen des Partners, der Partnerin die nicht zum anfänglichen Bild des sehr bemühten Gegenübers passen und die sich gefährlicher Weise nicht sofort, aber immer öfter und stärker zeigen.
Ich hatte mal davon gehört, kannte mich aber nicht wirklich mit dieser Thematik aus. Und wohl die wenigstens denken bei einem Kennenlernen daran, dass sein freundliches, schüchternes und unscheinbares Gegenüber solch perfide Absichten haben kann.
Nach anfänglicher Überschüttung von Aufmerksamkeit, Interesse, Zeit und Unterstützung war ich eher positiv gestimmt. Ich fühlte mich sicher, habe vertraut und öffnete mich. Doch dann zeigte sich bei meinem Partner immer öfter Empathielosigkeit, Unvermögen der Selbstreflexion, Kritikunfähigkeit, Desinteresse an Konfliktlösung, Schuldumkehr, Gaslighting, Anspruchsdenken, Missgunst, Projektion, Lügen, Manipulationen, passiv-aggressives Verhalten, Silent Treatment um zu Bestrafen, gezieltes eifersüchtig machen, (z.B. in der Sauna um dann zu sagen, mit dir kann man ja nirgends hingehen), meine Grenzen wurden ausgetestet (ich sollte meine Schmuck ablegen, weil er kein Metal mochte) und überschritten (ich wurde z,B. ständig mit der Ex verglichen), subtile Abwertung mir gegenüber (z.B. ich sei faul, weil ich mich auch gern mal entspanne und einfach nichts mache, auch mal mit dem Auto einkaufen fahre oder zur Arbeit,..) und irgendwann so extrem widersprüchliches Verhalten, bei dem Worte und Taten einfach gar nicht mehr zusammen passten. Plötzliche Streitsituationen in oder nach schönen Momenten nahmen zu. Dazwischen war er dann wieder lieb und fürsorglich. Es wurde wieder ganz viel Gas gegeben, dass man doch bleibt.
Und außerdem war er doch der arme Junge, der von seiner anstrengenden Mutter, von der er weder Kommunikation noch und Nähe gelernt hat, gestresst. Irgendwann war er dann sogar der Autist und entschuldigte damit sein Verhalten.
Versteckter Narzissmus, der heimlich, still und leise, aber ganz mies um die Ecke kommt.
Natürlich bekommt das nur die Person zu spüren, die dem Narz am nächsten steht und die alleinige Aufgabe hat ihn/sie anzuhimmeln, die leere Hülle zu füllen und die liebende Mutterrolle zu übernehmen. Zu Freunden und Fremden, über die er hinter dem Rücken auch schlecht redet, ist er/sie stets freundlich, angepasst, hilfsbereit und steht immer zur Verfügung. Dafür wird er/sie geschätzt.
Da kommt man schon mal ins straucheln und zweifelt, ob man nicht wirklich Schuld an manchen Vorwürfen hat. Weil man z.B. nicht das Frauchen ist, welches zu Hause brav das Essen für den Prinzen kocht, weil man nicht nur dann mit raus möchte, wenn gerade kein anderer Zeit zum Spielen hat, weil man nicht bei seinen „weißen alten Männer“ Fußballkumpels vorgezeigt werden möchte, wenn sich keiner seiner Kumpels mehr meldet, wenn er schlecht schläft, Bluthochdruck hat, nicht regelmäßig isst, Gewicht verliert, keine Zeit zum Klavier spielen oder lesen hat, es auf Arbeit gerade nicht gut läuft, er einen Auffahrunfall verursacht, usw. Die Liste ist lang.
Und überhaupt, ich zitiere „Es geht doch um SEINE wertvolle Lebenszeit“. Wie kann ich nur darauf kommen, dass in einer Partnerschaft gemeinsam Zeit verbracht wird ohne mindestens 3 mal gesagt zu bekommen, was er doch gerade mit wem anderes machen könnte. So wurde mir fast täglich ein schlechtes Gewissen, ganz unterschwellig, eingeredet.
Ich habe mir den Mund fusslig geredet um Paarzeit zu besprechen, dass dann auch jeder seinen Freiraum nutzen kann. Der Herr blockte es ab und warf mir immer wieder vor, ich möchte ja alles mit ihm zusammen machen. Na klar.
Tja und da wir alle die Welt und die Menschen um uns herum mit unseren eigenen Filter sehen, war ich eine gewisse Zeit und immer wieder Unfähigkeit die Realität wahrzunehmen. In meinem Kosmos gibt es keine Bösewichte. Dachte ich.
Bis ich von der Mutter des Ex, bei einem Sonntagsbesuch, aus dem nichts beleidigt wurde. „Untergewichtig und flachbrüstig“ von einer 77-jährigen genannt zu werden, der ich etliche male zugehört habe, warum die böse Schwiegertochter und der andere Sohn den Kontakt abgebrochen haben. Oh wow. Und am Ende war ich dann noch Schuld, weil ich keinen Kontakt mehr zu ihr wollte und der Ex sie ja nun zukünftig alleine besuchen müsse. Da hat es in mir heftig gerüttelt.
Es folgten noch einige anstrengende Wochen, in denen meine gute Laune, Freude am Leben und meine berufliche Weiterentwicklung schlecht gemacht wurde. Seine Lügen durch widersprüchliche Aussagen ans Licht kamen. Meine Bedürfnisse und Wünsche an eine Partnerschaft ignoriert und die gemeinsame Zeit mit provozierten Streitsituationen heftig sabotiert wurde. Auf Nähe folgte Abwertung und Distanz. Drama, Drama, Drama. Und wer war Schuld? Natürlich ich! Das, ich zitiere nochmal „Crazy Bikini Girl, welches ganz viel Aufmerksamkeit braucht, Borderline hat, zu emotional und streitsüchtig ist“. Weiterhin gab es immer wieder frauenfeindliche Aussagen, wie z.B. “Frauen ziehen sich mit Absicht knappe Kleidung an, dass die Männer hinschauen, Ich wäre aufgrund meiner Erfahrungen mit Männer nicht für eine Beziehung geeignet, usw. Ich erinnerte mich auch daran, wie er zu Beginn der Beziehung fragte, ob ich auch eine von diesen Feministinnen bin.
Warum ich geblieben bin?
Ich weiß es heute auch nicht mehr.
Wahrscheinlich aus Vertrauen, weil er plötzlich da und bemüht war als mein Vater for knapp 3 Jahren um sein Leben kämpfte. Aus Glauben, dass er an sich arbeiten möchte. Das kommunizierte er anfänglich auch. Aus Hoffnung, dass der, nach außen harmlos wirkende, Partner doch “nur ein Vermeider ist. Aus Zweifel an meiner Wahrnehmung, welche er mir immer wieder einredete und weil seine Freunde es doch auch nicht sehen. Aus Scham und Verdrängung, dass mich dieser Mann von Anfang an nur belogen hat um von sich zu überzeugen. Obwohl ich immer wieder kommuniziert habe, wie wichtig mir Ehrlichkeit ist. Aus Schmerz und nicht wahrhaben wollen, dass meine Gutgläubigkeit missbraucht wurde. Aus Unwissenheit und weil es ein Prozess ist, den Missbrauch wahrzunehmen, zu verstehen und zu akzeptieren.
Aber zum Glück schläft die Intuition nie und piekst solange bis du hinschaust, nachhakst, hinterfragst und konfrontierst. Dann wurde es richtig ungemütlich. Der kleine Junge im erwachsenen Körper wurde wütender, weil er seinen Willen, also meine Bewunderung und Loyalität, nicht mehr bekam. Ich Grenzen zog und somit nicht mehr manipulierbar war. Ihm seine Lügen nicht mehr glaubte und ihn durchschaute.
Und dann musste du eben weg, aber ganz schnell und mit allen Mitteln.
Ein klärendes Gespräch, Einsicht, Verantwortung für sein Fehlverhalten übernehmen, ehrliche Entschuldigung? Nada. Halt. Er schickte mir eine What’s App Nachricht „Es tut mir leid, dass es am Wochenende wieder so gelaufen ist“ um im Nachhinein zu sagen „Das war doch keine Entschuldigung“. War für ein Kasperletheater. Leider ein sehr trauriges und auch für mich ein traumatisches Erlebnis. Emotionale Gewalt ist unsichtbar, aber kann tiefen Wunden in der Seele hinterlassen.
Auch nach der Trennung ging das Machtspiel weiter. Erst nach Wochen, des so wichtigen Kontaktabbruchs, regulierte sich mein System. Ich konnte wieder, richtig schlafen, klar denken und mich an viele Situationen erinnern, die absolut gegen meine Werte sprechen und die ich entschuldigt habe, weil er eben “anders” ist.
Mittlerweile kann ich diesen Wahnsinn lustig verpacken. Aber das erlebte war sehr schmerzhaft. Es füllt ein Buch der einem Krimi gleichkommt. Und wer weiß, vielleicht schreib ich es.. um Frauen und Männer vor dem zu warnen, was einen einfühlsamen, verständnisvollen und warmherzigen Menschen zerstören kann.
Und um die Erfahrung selbst zu verarbeiten, daran zu wachsen und nächsten Schritt zu gehen.
Denn natürlich sehe ich auch meinen Anteil, den ich noch nie verheimlicht habe. Auch in meiner Kindheit lief es nicht, wie ich es mir gewünscht und gebraucht hätte. Ich habe bekommen, was ich gewohnt war. Das Gefühl um Liebe kämpfen zu müssen und nicht wirklich gesehen zu werden. Darum bin ich zu lang geblieben. Aber auch, weil ich immer und immer noch an das Gute im Menschen glaube. Dinge verändern und helfen möchte.
In diesem Fall habe ich, nach viel Recherche und Unterstützung von Betroffenen, verstanden und akzeptiert, “echter” Narzissmus ist ein Persönlichkeitsstörung die tatsächlich wie im Lehrbuch, nach sehr identischen Mustern, abläuft und sich wiederholt. Ein Zyklus, immer schneller, immer heftiger.
Pathologische Narzisst*innen können laut psychologischen Studien nicht heilen. Die Symptome können begleitend gemildert werden. Aber dafür müsste ein Narz seine Schwächen und seinen geringen Selbstwert anschauen und genau das, werden sie wohl nur in den seltensten Fällen tun. Denn das zerstört ihr verschobenes Selbstbild.
Es macht mich dennoch traurig, welches schöne Leben für jemandem der betroffen ist, somit verborgen bleibt.
Diese red flags bitte hinterfragen:
- Manipulation und Lügen. Es wird genau hingehört was deine Wünsche, Träume und Ängste sind. Aber nur um dich anfänglich zu begeistern, dich zu binden und dich abhängig zu machen. Tatsächlich spielen diese Dinge keine Rolle.
- Kritik jeder Art wird als Angriff gewertet. Silent treatment oder passiv aggressives Verhalten werden als Strafe eingesetzt.
- Projektion. Höre genau zu was dir vorgeworfen wird. Kontrolle, Streitsucht, Untreue, Eifersucht, Neid, Vorwürfe können Spiegel der eigenen Schwächen sein.
- Kontruktive Konfliktlösungen unmöglich. Worte werde dir im Mund verdreht und du landest verwirrt irgendwo, weit weg vom eigentlichen Thema. Darauf folgt oft..
- Schuldumkehr und Gaslighting um dich zu verwirren, dich zuverunsichern und an deiner Wahrnehmung zu zweifeln.
- Deine Meinung zählt nicht. Es gibt nur eine Meinung und wenn du eine andere hast, wird diese nicht akzeptiert oder sogar respektlos agiert.
- Kompromissunfähigkeit und wenig bis kein Interesse an den Bedürfnissen des Gegenübers. Ein Beziehung auf Augenhöhe ist unmöglich.
- Höre genau zu wie über die Ex Freundin, den Ex Freund gesprochen wird.